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WAT SACHT MAN DAZU? Liebe Grüße Schwalbenalfred
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Ein dreifaches Hoch auf Onkel Reinhold! (Vertut sich immer mit dem Datum: der erste Gratulant, Dr. Welf Haeger) Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Pressevertreter(innen), diese Woche lässt Onkel Reinhold, unser Botschafter für Kultur, Fleischwurst & Pipapo, die Taube kreisen, denn … Weiterlesen
„Es ist skandalös und enttäuschend, wie dieser Stromgigant mit Menschen umgeht“ sagt Herr S. aus Rüttenscheid. Was ist passiert? Am 24. März 2011 gab es einen technischen Defekt beim Rückbau einer Umspannungsanlage in Essen. Die Folge: Ein Stromausfall, von dem … Weiterlesen
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Zur Vorgeschichte: Seit Wochen geschehen in Essen gespenstige Dinge. Gruppen von Menschen treffen sich in dunkler Nacht und halten undurchschaubare Rituale ab. Im Mittelpunkt: ein Mann mit Kappe und großer Brille. Es ist Onkel Reinhold, Botschafter für Kultur, Fleischwurst & … Weiterlesen
(von Schwalbenalfred)

Am Samstag erschien er mir. Zwischen einem Schluck Kaffee und einem Biss in die Mortadella-Schnitte. Ich hatte den Fernseher eingeschaltet und fälschlicherweise eine Nummer eingetippt, die mir anstatt der gewünschten Musikuntermalung einen Ausflug ins Reich völlig Bekloppter bescherte.
Ich saß am Tisch und im Hintergrund hörte ich wiederholt etwas vom Horat. Immer wieder: Der Horat. Klar, ich wollte sehen, was dort passierte. Und da erschien er mir: Daniel, Botschafter der neuen Zeit. Ich war bei Astro-TV gelandet. Ein Stück fast zerkauter Mortadelle-Schnitte landete durch einen Pruster meinerseits auf dem Beistelltisch.
Daniel schrie “Jetzt kommt ein Härtefall. Ich spüre das. Ich und das 8. Weltwunder, der Diamond of Eternity sind jetzt für Dich da.”
Daniel saß vor einem Haufen großer Steine und penetrierte die Zuschauer: “Dich meine ich. Ich schicke Gedanken durch den Diamant der Ewigkeit. Ruf an.”
Er hält sich ein Riesendiamant-Imitat vor den Kopf und flüstert wirres Zeug. Er könne den nächsten Anrufer bereits spüren. Der Diamant wäre schon ganz heiß. Die Erlösung für den Härtefall, den er anonym beraten möchte, sei hier. Und die Befreiung und die Rettung. Er will den Härtefall vom negativen Karma befreien. Der Härtefall möge sich mit seinem Anruf beeilen. Im Hintergrund hört man eine Uhr ticken. Plötzlich: Es hört auf zu ticken, ein Mann ruft an. Astro-Daniel sagt “Ich küsse Dich. Du bist die Seele, was ich vorher gespürt habe.” Aha, die Seele, was er gespürt hat.
Mit Frühstück ist es bei mir vorbei. Ich bin gefangen von Astro-Härtefall Daniel, der mit den Armen wedelt und krampfartige Bewegungen macht, um den Anriufer vom negativen Finanzkarma und weiteren Malässen zu heilen. Schwupp, geheilt!
Weiter gehts. Daniel erklärt sich als Botschafter der neuen Zeit und begrüßt Britta, die eigentlich eine Karmaauflösung wünscht, wofür sie aber eine andere Nummer anrufen muss. Karmaauflösung war gerade. Jetzt geht nicht, Nächster. “Frage oder Botschaft?” Man hört nichts. Daniel antwortet: “Die spirituelle Transformation kommt im September.”
Daniel kommt extrem in Schwung. Es geht Schlag auf Schlag. Jeder Anrufer bekommt einen Satz um die Ohren gehauen.
Er orakelt, dass Birgit ihren Ex-Partner in der Öffentlichkeit wiedersehen wird. Margit wird im August spirituell arbeiten. Und alle Österreicher und Schweizer sollen jetzt anrufen.
Dann, der nächste Höhepunkt. Daniel hebt seine Hände und tankt auf, indem er sich mit dem Horat verbindet. Ah, ich verstehe, er meint den Hohen Rat. Sagt er aber nicht. Er sagt Horat.
Er glotzt irre, schließt die Augen und schaut durch die geschlossenen Augen gen Studiodecke. Oder Himmel. Zeit für mich, sein Lacoste-Polohemd und seine Kette zu bewundern. Netter Daniel. Schön, dass die heutigen Gurus nicht mehr mit zotteligen Haaren herum strolchen, sondern aussehen wie Schwiegermutters Liebling.
Maria ruft an. Der Horat sagt, dass sie ein Gespräch mit der Bank führen werde. Punkt, Tschüss. Der nächsten Frau gibt Daniel den Rat, sie möge einem Mann klarmachen, dass es so nichts wird. Tschüss.
Birgit ist wieder in der Leitung und bittet um eine Botschaft für ihre Tochter. Daniel ist aus dem Häuschen, dass Birgit schon wieder da ist. Der nächste Anrufer hat eine piepsige Stimme. Die Leitung wird sofort gekappt.
Dann sagt Daniel: “Es ist der ruhigste Tag, der ich was erlebt hab.” Aber nur kurz. Birgit ist wieder da und fordert eine Botschaft für ihren Vater. Daniel sagt, er soll nicht so geizig sein. Eine Dame, die nach einem Gewinn fragt, bekommt die Antwort, dass sie gewinnen werde. Aber nicht im Lotto.
Zwischendurch (meine Mortadella auf dem Brot wellt sich derweil und ich glaube, Botschaften zu erkennen) wird es fast erotisch. Daniel stöhnt und ruft erregt “oh ja”. Seine knisternde Verbindung mit Horat zeigt er schaupielerisch experimentell durch ungelenke Bewegungen.
Immer wieder bettelt Daniel um Anrufer.
“Bist Du bereit für deine persönliche Botschaft?”
“Du hast die Wahl der Qual!”
“Ruf mich an. Ich kann Dich nicht anrufen!”
Dann, ein weiterer Klimax: Eine Frau berichtet über einen Diebstahl und möchte wissen, ob sie die Diebe noch einmal trifft. Daniel antwortet wie aus der Pistole geschossen: “Es sind 2 Männer gewesen. Polen.” Die Dame sagt: “Ich habe sie ja gesehen. Es waren 2 Frauen.” Daniel sagt “Nein”. Das Gespräch ist zu Ende.
Meine Mortadella ist von einer Scheibe zu einer Rolle geworden. Von wegen Hitze. Denkt doch mal nach. Eine Rolle! Das muss doch eine Botschaft sein. Ich klappte die geheime Motadella-Rolle auf und dort erschien ein Bild. Es sah genauso aus wie ein Diamant. Zumindest die Form. Im Laufe des Tages veränderte sich die Farbe. Meine Leitung zu Horat lief auf Hochtouren.
Am späten Abend begutachtete ich erneut meinen Diamond of Mortadella und der Horat gab mir noch eine letzte Botschaft: Diese Sache stinkt zum Himmel!
(von Schwalbenalfred)
„Weisse, watte bis? Lügen tuhsse. Dat bisse!”. Manch sanftes Gemüt erschaudert, manch Feingeist krampft und die Synapsen im Hirnareal für verbal-ästhetische Verletzungen melden: Alarmstufe rot!
Zugegeben: Über die Schönheit dieses Satzes lässt sich streiten. Ich persönlich stehe darauf. Oder anders gesagt: Ich mach et gut leiden, dat Ruhrpott-Deutsch.
Nun rief mich heute Mittag mein Kumpel Reinhold an und erzählte mir entsetzt, dass bei einer repräsentativen Emnid-Umfrage heraus gekommen sei, dass Ruhrpott-Deutsch eher unbeliebt ist.
Von 12 abgefragten Dialekten steht die Pottsprache auf Platz 8. Für mich war das ein Schlag in die Magengrube und ich brauchte schleunigst einen Gabiko (ganz billigen Korn).
Platz 8 für „dat und wat”, Platz 1 für „auffi und Weisswuascht”. Mit dieser Platzierung will ich nicht leben. Und ich bin überzeugt, dass es sich um ein fehlerhaftes Ergebnis handelt.
Unsere Sprache ist viel beliebter, als hinlänglich behauptet. So sehe ich das. Gründe für dieses fehlerhafte Ergebnis gibt es viele, womöglich liegt der größte Fehler in den nur 1003 Befragten. Reinhold meinte: „Dat soll repräsentiv sein? Naja.”
Außerdem: Zahlreiche Ruhrgebietler sprechen gar kein Ruhrpott-Deutsch, die Sprache ist vom Aussterben bedroht. Das Fernsehen vermittelt oft ein völlig falsches Bild unseres Pott-Dialektes. Und es gibt leider viel zu viele Missverständnisse rund um unseren wunderbaren Dialekt.
Ich wohne in der Nähe der Messe Essen, wo ich häufig den ein oder anderen der 1,5 Millionen Gäste an der Theke meines Vertrauens treffe. Und wenn ich demjenigen eine Lektion „Ruhrpott” verpasse, schlägt mir immer Begeisterung entgegen.
Bei der kürzlich stattgefundenen Briefmarken-Messe traf ich den Philatelisten Günter. Nach Lektion 1 nahm er sein Handy in die Hand und informierte seine Freunde aus Zwickau: „Knastpralinchen = Frikadellen, Frikadellen-Puff = Imbissstube, Hühnerfutter-Trinker = Mensch, der Pils & Korn trinkt.”
Diese Worte sind natürlich nur im Gesamtzusammenhang wirklich ruhrpöttisch. Beispiel: „Hömma, wat is? Bissken Hühnerfutter oder musse noch innen Frikadellen-Puff, für ne Unterlage?”
Apropos Gesamtzusammenhang: Oftmals werden Ruhrgebietsoriginale falsch verstanden.
Ein 2 Meter großer Russe, der während der Fitness-Messe zeitweise an besagter Theke weilte, kam mit mir und dem dürren Schlangen-Siggi ins Gespräch. Siggi fand den deutschsprachigen Riesen-Russen dermaßen sympathisch, dass er ihm einen ausgeben wollte. „Hömma, du Arsch, trinkste einen mit?”, fragte Siggi lachend, was das bis dato freundliche Gesicht des Russen in einen Anblick des Bösen verwandelte. Seine blitzartig aufgerissenen Augen schienen plötzlich schwarz zu sein, seine Lippen waren leicht zusammen gepresst. Hinter den Lippen pulsierte der Atem, so dass die gesamte Mundpartie sich immer wieder aufblähte und dann wieder zusammenfiel. Kein schöner Anblick. Ich musste eingreifen, bevor eine rechte Gerade die zarte deutsch-russische Freundschaft zerstörte.
Ich erklärte dem Russen, dass das Wort „Arsch” für den Siggi lediglich ein anerkennendes, freundliches Synonym für eine wertschätzende Bewunderung ist. Der Russe hatte vorher erwähnt, dass er in seinem Heimatdorf eigenständig den Kleinwagen eines widerlichen Nachbars 10x in einem Monat weg getragen habe. Das hat Siggi imponiert.
Siggi kennt viele „krumme Hunde”. Er selbst hasst Gewalt, Hinterhältigkeit oder illegales Tun. Die feine Ganoven-Art aber, wie zum Beispiel das Wegtragen von Autos, die liebt er. Die Akteure der feinen Ganoven-Art nennt er „Arsch”, alle anderen sind „Arschlöcher”.
Wir alle an der Theke wissen genau, was los ist, wenn Siggi jemanden „Arschloch” nennt. Dann ist kurz vor ungemütlich.
Der Russe hat es schnell begriffen und schickte Siggi 2 Tage nach seiner Abreise eine SMS mit folgendem Text: „Lieber Schlange.Mann, danke fir schöhne Zeit und Korn. Kommst du mich besuchen bitte und bringst auch andere Arsch gerne mit. Dein Freind Stas.”
Mein Kumpel Reinhold und ich werden unseren Kreuzzug für den Ruhrpott-Dialekt auf alle Fälle weiter gehen. Es gibt noch viel zu tun. Erklär Du mal einem Holländer beim Skatspielen, dass Horst es sehr nett meint, wenn er nach dreimaligem Sieg des Holländers diesem freundlich auf die Schultern haut und sagt: „Du Arschloch, has wohl im Moment viel Pech inne Liebe, wa? Glückwunsch, du Gouda-Prinz.” Oder dass der Begriff „Köttel” sowohl etwas mit Kindern zu tun hat, als auch mit Fäkalien. Das ist nicht so einfach zu begreifen.
Es gibt noch viel zu tun, weil Platz 8? Näää, Platz 8 is echt wat fürn Ar…
(von Schwalbenalfred)
Ich bin ein Krisengewinner. Die Höhe der Gewinnausschüttung kann ich noch nicht beziffern. Aber in den letzten Jahrzehnten ging es mir noch nie so gut wie heute. Ich war immer ehrenamtlich und freiberuflich tätig. Die Bezahlung war mies oder gar nicht vorhanden. Oftmals gab es Lob. Engagement und Kunst haben keinen Festpreis.
“Du hast doch studiert, geh arbeiten…” schallte es in meinen Ohren und ich fühlte mich wie ein Spießrutenläufer, der der Welt entgegen brüllt “Hallo, schaut mal hin, ich arbeite. Ich werde nur nicht entlohnt.”
Auf der anderen Seite wurde ich belohnt von den Menschen, denen ich das Leben ein wenig schöner gemacht habe. Sie lobten und umarmten mich. Staatliche Unterstützung habe ich nie bekommen, Schulden habe ich nie gemacht, aber viele Menschen in meiner Umwelt schienen sich immer um meine Geldbörse zu sorgen. Spießrutenträger Ulli sagte immer “Willst Du Dir nicht mal was leisten?”.
Ich stand oft im Mittelpunkt der Gehaltsdiskussionen. Eine merkwürdige Situation für einen Menschen, der kein Gehalt bezieht.
Jetzt bricht die Krise in meiner Lebensumgebung ein. Einige Gehaltsempfänger meines Freundes- und Bekanntenkreises werden arbeitslos oder haben neuerdings Zukunftsängste. Trotz Plasmabildschirm und gesunder Kinder. Fast alle haben auch noch vollständig gesunde Zähne und ein Gartenhäuschen im Häuschen mit Garten. Ihre Blicke haben sich verändert und erscheinen mir immer häufiger ratlos fragend. Die Sinnkrise hat sie erwischt. Sie sehen es als Folge der Wirtschafts- oder Finanzkrise.
Ich stehe nicht mehr im Fokus ihrer Gehalts-Gedanken. Ein Gewinn für mich! Meine Sinnkrise hat schon weitaus früher begonnen und ich glaube, dass es bei ihnen genauso war. Sie haben nur in eine andere Richtung geblickt.
Wenn ich auf Partys nun “Davon geht die Welt nicht unter” oder “Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern” lauthals mitsinge, stimmen sie mit ein. Das war vor der Krise noch nicht so. Da haben sie ihren Plattenschränken den Garaus gemacht. Sah wohl nicht so gut aus, neben einem hoch technisierten, puristisch aussehenden Bildschirm das durcheinander gewürfelte CD-Sammelsurium zu präsentieren. Das Singen wurde eingestellt.
Ich freue mich, dass wir jetzt wieder im Chor singen. Hört sich fast wie Gleichklang an. Euphonie statt Kakophonie.
Für die nächste Party will ich eine Scheibe von Wolfgang Lippert kaufen. Es kommt mir vor, als hätte es auch bei ihm lange gekriselt. Am Sonntag aber hörte ich ihn singen “Das überleben wir”. Ich schaute auf seine Homepage und las:
“Er ist eben eine Kämpfernatur, einer, der immer wieder aufsteht. Gerade dieses Lebensgefühl vermag er, wie kaum ein anderer, an seine Fans weiterzugeben.” Das ist in Krisenzeiten vorbildlich.
Wolfgang singt vom Sturm, der nur als Wind empfunden wird. Prima. Egal, wie stark der Krisensturm uns um die Ohren bläst, ich habe das Gefühl, dass immer mehr Menschen die Segel neu setzen. Ein Gewinn für mich.